Ort: Festzentrum im Kurgarten
Lesung & Gespräch
Veranstalter: prolit, Literaturfest Salzburg
ë
Im Albanischen steht das „ë“ für einen Buchstaben, der meist nicht ausgesprochen wird, der zugleich aber von Bedeutung ist. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule, auf die Universität, sie sucht nach Verständnis, stößt dabei immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit, Ignoranz. Als Ende der 90er-Jahre der Kosovokrieg ausbricht, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt.
Der Roman »ë« erzählt vom Kosovokrieg und erinnert an den Schmerz von Familien, deren Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in den Körper eingeschrieben ist, wird von Jehona Kicaj im Wortsinn zur Sprache gebracht.
Jehona Kicaj, geboren in Suharekë (Kosovo, Jugoslawien), aufgewachsen in Göttingen, studierte Philosophie, Germanistik und Literaturwissenschaft. Mitherausgeberin der Anthologie „›Und so blieb man eben für immer‹. Gastarbeiter:innen und ihre Kinder“ (2023). Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Roman „ë“ (Wallstein Verlag) stand sie auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.