Ort: Theater im Kunstquartier
Lesung & Gespräch (russisch/deutsch)
Veranstalter: prolit, Thomas Bernhard Institut
Eintritt: frei
Zekamerone
In einer auf Zellengröße geschrumpften Welt gewinnt jedes Detail an Bedeutung: die geschriebenen und die ungeschriebenen Regeln der Gefangenschaft, die offenen und die versteckten Erniedrigungen, die großen und die kleinen Träume. Eine Kakerlake, die an der Decke sitzt. Der monotone Rhythmus des Schnarchens von Zellennachbarn.
Maxim Znak war Anwalt von Maria Kalesnikava, der prominenten Anführerin der belarussischen Protestbewegung, im September 2020 wurde er verhaftet. Sein „Zekamerone“ schrieb er im ersten Jahr seiner Untersuchungshaft in ein Notizbuch, das nach draußen gelangen konnte. Es sind Mikrogeschichten, aufs Äußerste reduziert und von bitterem Humor, in denen der Autor vom Gefängnisalltag schreibt, von Gesten des Widerstands und der Selbstbehauptung, vom leisen und lauten Verrücktwerden. Und von der Phantasie als Möglichkeit der Flucht aus einer schonungslosen Realität.
Einige der 100 Geschichten des „Zekamerone“ wurden von Studierenden des Thomas Bernhard Instituts für eine szenische Lesung erarbeitet. Danach kommen wir ins Gespräch mit dem Autor.
Maxim Znak, geboren 1982 in Minsk /Belarus), ist Autor und Rechtsanwalt. Als führendes Mitglied der belarusischen Oppositionsbewegung wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Jahr 2025 kam er durch eine Intervention der USA frei und wurde in die Ukraine abgeschoben. Heute lebt er in Polen im Exil. „Zekamerone“ ist im Suhrkamp Verlag erschienen.