Ort: Literaturhaus Salzburg
Buchpräsentation & Gespräch
Veranstalter: prolit
Wer bin ich?
Paul Lendvai wurde in Ungarn als Sohn jüdischer Eltern geboren, den Holocaust hat er dank eines Schweizer Schutzpasses überlebt. 1953 wurde er als „Trotzkist“ inhaftiert, danach mit Berufsverbot belegt, 1957 gelang ihm die Flucht nach Österreich, hier wurde er zum international tätigen Publizisten, Moderator und Auslandskorrespondenten, zu einem der profiliertesten Kenner Ost- und Südosteuropas und nicht zuletzt zum entschiedenen Europäer.
Die Frage „Wer bin ich“, die Paul Lendvais neuem Buch den Titel gibt, findet ihre Antwort im Verweis auf das Ineinander verschiedenster Prägungen: Identität wird hier als vielfache begreifbar und sichtbar als Summe lebensgeschichtlicher Erfahrungen.
Der Autor versteht es, auf knappem Raum Biografisches mit Analytischem, Erinnerung mit Reflexion zu verschränken. Im Rückblick auf das eigene Leben bringt Paul Lendvai die mitteleuropäische Geschichte des letzten Jahrhunderts ebenso in den Blick wie die Sorge um unsere aktuelle Gegenwart: „Die Zerbrechlichkeit der Freiheit ist die einfachste und zugleich tiefste Lehre aus meinem langen Leben, aus meinen vier Identitäten als Österreicher und Ungar, Jude und Europäer.“
Paul Lendvai, geboren 1929 in Budapest, lebt seit 1957 in Wien. Er gründete die Zeitschrift „Europäische Rundschau“, war u.a. Leiter des ORF-Europastudios und ist Kolumnist der Wiener Tageszeitung „Der Standard“. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. Axel Corti Preis (1998), Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik (2005), Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (2020). „Wer bin ich?“ ist im Zsolnay Verlag erschienen.